Yoga verstehen · 07 / 07

Meditation – Zeit zum Wahrnehmen

Ein ruhiger Einstieg mit Aufmerksamkeit, ohne Leistungsdruck.

Spaska im Schneidersitz an einem grünen Waldweg
Ein ruhiger Moment in der Natur. Foto: Spaska Forteva.
Yoga-Sutra 3.2 · Sanskrit

तत्र प्रत्ययैकतानता ध्यानम् ॥

tatra pratyayaikatānatā dhyānam

Eigene sinngemäße Übertragung: Dort ist das ununterbrochene Fortlaufen einer Vorstellung Meditation.

Was mit Dhyāna gemeint ist

„Dort“ verweist auf die zuvor beschriebene Sammlung, Dhāraṇā. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf einen Gegenstand; in Dhyāna wird diese Ausrichtung kontinuierlich. Die knappe Beschreibung gehört zu einem anspruchsvollen meditativen Weg.

Im heutigen Sprachgebrauch bezeichnet Meditation auch viele einführende Übungen. Eine kurze Sitzpraxis kann ein Einstieg sein, ohne bereits dem klassischen Zustand Dhyāna zu entsprechen. Du brauchst dabei kein besonderes Erlebnis herzustellen.

Eine einfache Übung für den Anfang

Die folgende Anleitung ist eine heutige Einführung, keine historische Übersetzung. Nimm dir ungefähr drei Minuten. Du kannst auf einem Stuhl sitzen und die Füße aufstellen; eine bestimmte Yogahaltung ist nicht erforderlich.

  1. Ankommen. Finde eine bequeme, aufrechte Position. Lass die Augen offen oder schließe sie, wenn es angenehm ist.
  2. Kontakt spüren. Nimm wahr, wo dein Körper Sitzfläche und Boden berührt.
  3. Aufmerksamkeit ausrichten. Beobachte einen natürlichen Atemzug oder eine gleichmäßige Körperempfindung. Verändere den Atem dafür nicht.
  4. Zurückkehren. Wenn du abschweifst, bemerke es und kehre freundlich zur gewählten Wahrnehmung zurück.
  5. Abschließen. Schau dich um, bewege Hände und Füße und nimm dir Zeit für den Übergang.

Wenn dir die Übung unangenehm wird, öffne die Augen, orientiere dich im Raum oder beende sie. Du bestimmst Dauer und Intensität.

Gedanken und Klang

Dass Gedanken auftauchen, macht eine Übung nicht wertlos. Das Bemerken und Zurückkehren gehört zur einführenden Praxis. Ebenso kann ein ausklingender Klang ein Gegenstand der Aufmerksamkeit sein: Höre seinen Verlauf und bemerke anschließend die Stille, ohne etwas erzwingen zu wollen.

Klangschalen können eine solche heutige Übung begleiten. Hier werden sie nicht als Voraussetzung des Yoga-Sutra oder als Mittel mit garantierter Heilwirkung dargestellt.

Meditation in deinen Alltag mitnehmen

Ein kurzer, regelmäßig gewählter Moment ist oft leichter einzuplanen als eine lange Sitzung. Du kannst beobachten, welcher Rahmen dir entgegenkommt: morgens, nach der Arbeit oder nach einer ruhigen Bewegungspraxis.

Weitere Übungen findest du im Bereich Yoga für Zuhause.

Textstellen & Quellen

Grundlage: Patañjali zugeschriebenes Yoga-Sutra, 3.1–3.3 sowie 1.12–1.14. Sanskrit-Text zum Nachlesen bei GRETIL, SUB Göttingen ↗.

Die kurzen Sanskritstellen werden in Devanāgarī und IAST-Umschrift wiedergegeben. Die deutschen Übertragungen und Erläuterungen sind für diese Website eigenständig formuliert. Sie sind eine Einführung; verschiedene Auslegungstraditionen setzen unterschiedliche Schwerpunkte.

Videos von Spaska

Hier findest du ein Video aus meinem YouTube-Kanal. Nimm dir Zeit und wähle einen ruhigen Moment zum Anschauen.

Ein Video für deine Auszeit

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